Die AGC (Automatic Gain Control) im RTTY-Decoder ist ein zweischneidiges Schwert. Sie versucht, das Eingangssignal auf einem konstanten Pegel zu halten, damit die nachfolgenden Filter und die Dekodierlogik immer mit einer optimalen Amplitude arbeiten.
Hier sind die Szenarien, wann du sie ein- oder ausschalten solltest:
Schwankenden Signalstärken (Fading/QSB):
Das ist der Hauptgrund für eine AGC. Wenn das Signal bedingt durch die Ausbreitungsbedingungen ständig lauter und leiser wird, gleicht die AGC diese Unterschiede automatisch aus. Du musst nicht ständig am Lautstärkeregler oder am Gain-Slider drehen.
Suche auf dem Band (Tuning):
Wenn du über das Band kurbelst und auf Stationen mit völlig unterschiedlichen Sendeleistungen triffst, sorgt die AGC dafür, dass jede Station sofort mit dem richtigen Pegel verarbeitet wird.
Bequemlichkeit:
Für den normalen Betrieb ist die AGC ein “Set and Forget”-Feature. Sie stellt sicher, dass der Decoder nicht “übersteuert” (Clipping), wenn ein Signal plötzlich sehr stark wird.
Viel Rauschen in den Pausen (Noise Pumping):
In Sendepausen sieht die AGC nur das leise Rauschen und versucht, dieses auf den Zielpegel zu verstärken. Das führt dazu, dass das Rauschen in den Pausen extrem laut wird (“Aufpumpen”), was wiederum zu vielen Fehl-Startbits und Zeichensalat führen kann.
Starken Nachbarsignalen (QRM):
Wenn eine sehr starke Station direkt neben deinem gewünschten Signal auftaucht, reagiert die AGC auf diese hohe Gesamtenergie und regelt den Pegel herunter. Dadurch wird dein eigentliches (schwächeres) Signal unter die Dekodierschwelle gedrückt. Hier ist es besser, die AGC auszuschalten und den Pegel manuell so einzustellen, dass dein Wunschsignal optimal ankommt.
Starken atmosphärischen Störungen (Prasseln/Statik):
Kurze, extrem laute Knackgeräusche (z. B. durch Gewitter oder elektrische Geräte) können die AGC kurzzeitig “zustopfen”. Die Verstärkung bricht ein und braucht einen Moment, um sich zu erholen, wobei in dieser Zeit wertvolle Zeichen verloren gehen.
Verwendung der Funkgeräte-internen AGC:
Wenn dein Funkgerät bereits eine sehr gute, schnell reagierende AGC hat, kann es zu unerwünschten Schwingungen oder Regeleffekten kommen, wenn zwei AGC-Systeme hintereinander geschaltet sind. In diesem Fall ist es oft sauberer, die Software-AGC auszuschalten.
Standard: ON:
Die meisten Nutzer bevorzugen den Komfort einer automatischen Regelung.
Manuell (OFF):
Wenn du ein Profi-Nutzer bist, der sein Signal-Rausch-Verhältnis (SNR) maximieren will, schaltest du die AGC aus, stellst dein Funkgerät auf eine feste Verstärkung (RF-Gain) ein und regelst den Pegel in der App manuell über den gain-Slider so ein, dass die “Crossed Bananas” oder das Tuning-Meter im optimalen Bereich liegen.
Wenn du die AGC ausschaltest, achte darauf, dass du am Eingang des Decoders noch genug “Headroom” hast, damit laute Impulse das Signal nicht verzerren.